"Hoffnung hat Vorfahrt"

Von Martin Hoepfner *

Einbahnstraßen und Sackgassen gibt es viele im Leben unserer Jugendlichen. Schon früh wird gesiebt und schon früh müssen die Kinder lernen, dass sie entweder zu den besser oder zu den schlechter gestellten gehören. Auch hier in Neumarkt. "Ich bin doch nur ein dummer Hauptschüler. Wer braucht mich schon?" fragte mich vor Kurzem resigniert ein Schüler der Hauptschule West. Überall wird verglichen und ein Gymnasiast ist in unserer Gesellschaft einfach mehr wert als ein "dummer Hauptschüler".

Hartz IV unterstützt diese Einbahnstraße noch zusätzlich. Dort, wo kein Geld für Bildung vorhanden ist, gibt es keinen Ausweg aus der Einbahnstraße, die auch die nachfolgenden Generationen in den sozialen Abgrund leitet. Unser Staat arbeitet an dieser Stelle nicht nachhaltig genug und ist selbst mit verantwortlich, dass die Ausgaben für Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld und Hartz IV immer weiter ansteigen. Mehr und mehr Jugendliche, mit denen ich mich unterhalte, sind verzweifelt, weil sie keine Lehrstelle in ihrem gewünschten Beruf finden. Es ist traurig, wenn junge, motivierte Menschen regelrecht perspektivlos werden.

Gymnasiasten klagen, weil im G8 genauso viel oder noch mehr Lehrstoff durchgepaukt werden muss, als vorher. Der Leistungsdruck ist unheimlich hoch, und immer mehr Jugendliche scheitern daran. Bildung und Kinder sind unsere einzigen Rohstoffe, und leider gehen wir damit genauso verschwenderisch um, wie die Länder, die mit Öl und Gas ihr Geld verdienen. Wir reden von "Globalisierung", aber wenn Eltern mit schulpflichtigen Kindern z.B. von Hessen nach Bayern ziehen, müssen die meisten eine Klasse wiederholen, weil die Lehrpläne sich so stark unterscheiden.

Hoffnung hat Vorfahrt

– ökumenischer Jugendgottesdienst, Freitag 19.02.2010, 18.00 Uhr, Jugendzentrum G6 Neumarkt. Anschließend Party und Live-Musik mit den TurningOns.
Nicht selten führen Leistungsdruck und Resignation zu Aggression und Depression. Es sitzen nicht ohne Grund Teenager mit dem Bierkasten und der Wodka-Flasche auf der Bank am Marktplatz. Hinter der coolen Fassade verbergen sich oft tiefgreifende Probleme. Nicht umsonst steigt die Aggressivität unter Jugendlichen und nicht umsonst sind Jugendliche immer öfter depressiv und verletzen sich selbst. Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen unter 30 an "vorsätzlicher Selbstbeschädigung", verrät uns das statistische Bundesamt. Schätzungsweise 150 junge Menschen versuchen täglich, sich das Leben zu nehmen. Diese Einbahnstraße, diese Sackgassen in denen sich unsere Kinder befinden, müssen wir versuchen zu durchbrechen.

"Hoffnung hat Vorfahrt" lautet deshalb der Titel eines Gottesdienstes, in dem wir die Probleme, aber auch die Hoffnungen der Jugendlichen thematisieren wollen. Wir leben in einem christlich geprägten Land, doch wo – so frage ich mich – ist der Grundsatz, dass jeder Mensch als gleich angesehen werden soll? Wo lieben oder achten wir nicht nur die Menschen, die besonders gut in der Schule und im Beruf sind, sondern auch diejenigen, die "nur" auf die Hauptschule gehen? "Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an." Dieser Vers aus dem Alten Testament muss uns allen wieder ins Gedächtnis kommen, und vor allem wir, die Kirchen, aber auch die gesamte Gesellschaft müssen uns dafür einsetzen, dass Jugendliche wieder eine Perspektive haben – unabhängig von Geld und Äußerlichkeiten. Führen wir die Jugend wieder auf eine Straße der Hoffnung.

Zum Glück gibt es in Deutschland und auch in Neumarkt immer mehr Anlaufstellen für Euch Jugendliche, wenn Ihr ein Problem hat. Auch das Internet öffnet hier viele Möglichkeiten. Die evangelische Gemeindejugend bietet beispielsweise regelmäßig die Möglichkeit an, Eure Probleme "anonym" per Chatprogramm zu erzählen und mit dem Jugendbeauftragten zu besprechen. Auch persönlich sind wir für Euch da.

* Martin Hoepfner ist Gemeindejugendreferent bei der der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Neumarkt
16.02.10
neumarktonline: "Hoffnung hat Vorfahrt"
Telefon Redaktion


Telefon Redaktion


ISSN 1614-2853
20. Jahrgang
Zur Titelseite Neumarkter Zeitung
ISSN 1614-2853
20. Jahrgang
ISSN 1614-2853
15. Jahrgang