„Verlärmt und gestört“


Mountainbiker im Wald - das soll bald schon auch im Raum Neumarkt erlaubt sein
Foto: Pixabay
NEUMARKT. „Die Mountainbiker kapern den Albtrauf“ - der Bund Naturschutz ist nicht begeistert von den im Stadtrat vorgestellten Plänen.

Wie berichtet will der Neumarkter Alpenverein rund um die Weißmarter eine Vielzahl von Mountain-Bike-Trails für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Stadtrat stimmte den Plänen zu und stellte 100.000 Euro in Aussicht - kritische Nachfragen hielten sich in Grenzen. Beim Kreisverband des Bundes Naturschutz hätte man sich „schon vorab eine Diskussion“ um die Wege gewünscht.

Die Naturschützer kennen nämlich dort „zahlreiche kartierte Biotope“. Zudem würden ein zusammenhängendes Waldgebiet in viele kleine Teilräume zerschnitten und im Umfeld der Trails „verlärmt und gestört“.


Wir veröffentlichen die Stellungnahme des Bundes Naturschutz im Wortlaut:

Wir müssen feststellen, dass der Freizeitdruck in der Natur die letzten Jahre sich immens verstärkt hat. Corona hat dem einen zusätzlichen Schub gegeben. Es bleibt aber nicht beim reinen Wandern oder Fahrten mit dem Mountainbike auf vorhandenen Wegen im Wald. Es gibt auch immer exklusivere Nutzungen, wie etwa das Klettern auf Felsen in der Natur oder wie jetzt das „Mountainbiking“ bzw. „Downhilling“ auf festen Trails mit eingebauten Schikanen, mit dem gewissen Kick.

Freizeitvereine, wie der DAV in Neumarkt, greifen dies gerne auf, da man damit eben Mitglieder und Einfluss gewinnen kann. Beim Klettern wird derzeit landkreisweit mit Naturschutzbehörde, Kletter- und Naturschutzverbänden ein einvernehmliches Konzept erstellt. Das ist sinnvoll, da beide Seiten ins Gespräch kommen und die jeweils anderen Argumenten kennenlernen und abwägen können. So ein Modell hätte man natürlich auch bei den MTB-Trails auf die Beine stellen können, unabhängig davon, dass die Rahmenbedingungen etwas anders sind. So aber wurde eine Vereinbarung beschlossen und alle anderen Naturfreunde und -nutzer vor beschlossene Tatsachen gestellt.

Das jetzt vorgelegte Konzept verwandelt den gesamten Albtrauf zwischen Mariahilfberg und dem Weißmarter als Eventraum. Das kann nicht sein, das ist unser Ansicht nach völlig überzogen. Es übergeht die Interessen anderer Nutzer und vor allem die der Natur. Diese hat einen eigenständigen Wert, der hier komplett ausgeblendet wird. Natur nur als Kulisse zu sehen verkennt deren vielfältige Leistungen. Es kann auch nicht sein, dass alle bisherigen, im Grunde illegalen Trails, jetzt nachträglich legalisiert werden.

Ein zusammenhängendes Waldgebiet wird in viele kleine Teilräume zerschnitten und im Umfeld der Trails verlärmt und gestört. Insbesondere die Strecke vom Mariahilfberg über den Weinberg runter nach Lähr tangiert zahlreiche kartierte Biotope. Die Fahrer wollen ja nicht nur einmal runterfahren, sondern mehrmals. D.h. sie müssen auf einem zweiten Weg wieder nach oben kommen. Nicht alle werden direkt von Neumarkt aus mit dem Rad anfahren, sondern mit dem Auto. Es braucht also geeignete Zufahrten und Parkplätze. Wie ist es mit der zeitlichen Nutzung? Ist diese auf Tages- und Jahreszeiten beschränkt, oder soll evtl. mal auch mit Flutlicht in der Nacht gefahren werden?

Aus diesem Grunde wäre es besser die Trails zu konzentrieren, um größere und ungestörte Räume im Wald zu behalten, wie es am Weismarter ansatzweise versucht wird. Es gibt ja auch noch andere Naturnutzer, einfache Wanderer oder schlicht Naturfreunde, die die Waldesruhe genießen wollen. Was sagen eigentlich die Nachbarn von Lähr und Helena dazu?

Dazu hätten wir uns schon vorab eine Diskussion um die Wege gewünscht.

Aber Rücksicht auf die Natur?

13.07.21
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