Konjunkturklima kühlt ab


Wolken am Konjunkturhimmel - selbst in der Baubranche komme der Motor ins Stottern, hieß es von der IHK
Foto: Archiv/IG Bau
NEUMARKT. Das Konjunkturklima kühlt ab und das trifft vor allem die regionale Industrie, heißt es von der IHK in ihrem Herbst-Konjunkturbericht.

„Der weltwirtschaftliche Abschwung schwächt die gesamte Industrie. Dienstleister, Handel und Tourismus halten die regionale Konjunktur noch in Gang“, sagte IHK-Präsident Michael Matt zu der Umfrage bei 320 Unternehmen aller Branchen und Größen.

Insgesamt überwiegen zwar die positiven Antworten der Umfrageteilnehmer um 20 Prozent gegenüber den negativen Beurteilungen zur Geschäftslage. Die Unternehmen befürchten jedoch eine sinkende Nachfrage bei den Endverbrauchern. „Um eine gesamtwirtschaftliche Abwärtsspirale zu vermeiden, muss die Politik nachsteuern, indem sie bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen und Anreize für Investitionen schafft“, sagte Matt.

Denn solange internationale Handelskonflikte den Außenhandel erschweren, rücke der Binnenmarkt in den Fokus der Firmen. „Die Politik sollte auf allen Entscheidungsebenen den Firmen entgegenkommen“, so Matt. Vor dem Hintergrund der Kommunalwahl 2020 sagte er, dass auch auf Städte- und Gemeindeebene viele Stellschrauben für aktive Wirtschaftspolitik gestellt werden könnten.


Die Unternehmen würden sich mehr staatliche Maßnahmen im Infrastrukturbereich sowie gesetzliche Vereinfachungen erhoffen. Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung zum sogenannten Bürokratieentlastungsgesetz III sei aus Sicht der regionalen Wirtschaft ein guter Ansatz, gehe jedoch nicht weit genug. Sinnvoll wäre es zum Beispiel, die Aufbewahrungsfristen für Papierunterlagen zu verkürzen, weil weniger Aktenablage Bürokratiekosten spare.

Die amtliche Statistik weist bis August einen Rückgang des Exportumsatzes um 13 Prozent auf. Die IHK-Umfrage bestätigt diese Zahl. 47 Prozent der Industrieunternehmen in der Oberpfalz erhielten in den letzten sechs Monaten weniger Auslandsaufträge.

Negativ entwickle sich nicht nur das Geschäft mit China und Nordamerika. „Am deutlichsten spürbar ist der Auftragseinbruch mit Ländern in der Eurozone“, sagte IHK-Präsident Matt. Erstmals seit 2013 liegen hier die saldierten Angaben zur Auftragslage mit minus 39 Prozentpunkten wieder im negativen Bereich. Darin spiegelten sich das verlangsamte Wachstum und die niedrige Inflationsrate im Euroraum wider. Und es führe dazu, dass in Erwartung von weiter sinkenden Preisen und lockerer Geldpolitik durch die EZB Anschaffungen hinausgezögert werden.

So komme selbst im regionalen Bauwesen der Motor ins Stottern. Zwar bleibt die Nachfrage im Wohnungsbau hoch, wegen der sinkenden Auftragszahlen im Wirtschaftsbau aber fällt die übliche Herbstabkühlung auf den Baustellen stärker als in den Vorjahren aus.

Der Auftragsbestand aus dem Inland ging in der Investitionsgüterindustrie bei 38 Prozent der Befragten zurück. Hinzu kommt, dass geplante bauliche Investitionen durch langwierige Genehmigungsverfahren erschwert werden. Allerdings setzen insgesamt 32 Prozent der Firmen auf Produktinnovationen, zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Erstmals seit der Euro-Schuldenkrise vor neun Jahren liegen die Geschäftserwartungen in der Industrie im Inlands- und Auslandsgeschäft im negativen Bereich. Aufgrund der Entwicklungen in Saudi-Arabien erwarten die Betriebe steigende Ölpreise. Ansonsten erschweren volatile Rohstoffpreise die Preisplanungen. Der Handel zeigt sich optimistisch, während sich die Stimmung in den übrigen Branchen aus saisonalen Gründen oder in Erwartung der nachgelagerten Effekte durch den Rückgang in der Industrie trübt.

Die Anpassungsprozesse am Markt spiegeln sich zum Großteil in den abnehmenden Zahlen in der Zeitarbeitsbranche wider. Von den 25 Prozent der Industrieunternehmen, die planen ihre Beschäftigtenzahl zu verringern, lösen dreiviertel dies über natürliche Fluktuation, etwa indem Verträge durch Renteneintritt auslaufen und Stellen dann nicht nachbesetzt werden. Auf dem gesamten regionalen Arbeitsmarkt gleichen sich die positiven und negativen Beschäftigtenpläne derzeit aus.
07.11.19
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