Amsel rutscht auf Platz vier


In ganz Bayern wurde wieder fleißig gezählt
Foto: Marion Brunner
NEUMARKT. Die Trockenheit im Jahr 2018 ist wohl schuld am schlechten Bruterfolg der Amsel – möglicherweise auch im Landkreis Neumarkt.

Bei einer ersten Zwischenbilanz bei der der „Stunde der Gartenvögel“ am Sonntag fiel die Amsel vom Vorjahresplatz zwei auf Platz vier zurück. Allerdings lag für denLandkreis erst ein kleiner Teil der aktuellen Zahlen vor.

496 Vögel aus dem Landkreis Neumarkt wurden bis Sonntag-Nachittag beim Landesbund für Vogelschutz im Rahmen der am geichen Wochenende stattfindenden „Stunde der Gartenvögel“ gemeldet. In den nächsten Tagen und Wochen wird noch mit sehr vielen Nachmeldungen gerechnet, hieß es von den Vogelschützern.


Nach den aktuellen Zahlen belegen im Landkreis Neumarkt die beiden Spatzen-Vettern die beiden ersten Plätze: der Hausspatz - auch im letzten Jahr klar die Nummer 1 - liegt deutlich vor dem Feldsperling. Auf den Plätzen folgen Star, Amsel und Kohlmeise.

Die bisherigen Meldungen lassen den Landesbund für Vogelschutz auf eine neue Rekordteilnahme hoffen. Im ersten Zwischenfazit der „bayerischen Vogel-Charts“ freut man sich, daß sich die Anzahl der beobachteten Vögel im Vergleich zum letzten Jahr immerhin nicht noch weiter verringert hat - und somit auf dem „weiterhin zu niedrigen Niveau der Vorjahre“ bleibt. „Zu den großen Verlierern zählt in diesem Jahr vor allem die Amsel, die zum ersten Mal nicht der am zweithäufigsten beobachtete Gartenvogel in Bayern ist. Auf der anderen Seite fliegt das Rotkehlchen auf ein historisch gutes Ergebnis zu“, sagte Martina Gehret, Citizen-Science-Beauftragte des LBV. Teilnehmer können dem LBV ihre Beobachtungen vom Wochenende noch bis zum 20. Mai mitteilen.

Parallel zum steigenden Bewusstsein der Bevölkerung für den Artenschutz in Bayern, beteiligen sich in diesem Jahr noch mehr Naturfreunde an der beliebten LBV-Mitmachaktion als bisher. „Viele Menschen, die durch das erfolgreiche Volksbegehren für mehr Artenvielfalt auf die bedrohliche Situation der Natur im Freistaat aufmerksam geworden sind, scheinen sich jetzt auch zu den zahlreichen begeisterten Vogelfreunden der vergangenen Jahre zu gesellen“, sagte LBV-Sprecher Markus Erlwein über die sehr gute Beteiligung.

In den vergangenen Jahren der Mitmachaktion hatte die Amsel den zweiten Platz - übrigens auch im Landkreis Neumarkt - abonniert. Auch wenn sie noch in nahezu jedem Garten beobachtet wird, so ist die Anzahl der Amseln in diesem Jahr zurückgegangen. Derzeit ist sie sogar auf die vierte Position abgerutscht. „Hauptverantwortlich für den Rückgang dürfte die Dürre 2018 und der damit verbundene schlechte Bruterfolg sein, da die Vögel im trockenen Boden nicht mehr genügend Regenwürmer für die Aufzucht ihrer Jungen finden konnten. In manchen Regionen kam der für Amseln tödliche so genannte Usutu-Virus noch hinzu, der im Vorjahr im Freistaat in einigen Gebieten nachgewiesen wurde“, sagte Martina Gehret.

Der häufigste Gartenvogel in Bayern ist zwar immer noch der Haussperling, was jedoch nicht bedeute, dass es dem Spatzen im Freistaat besser geht. Er kommt schon seit einigen Jahren nur noch in zwei Drittel der bayerischen Gärten vor. Wegen des Rückgangs der Amsel ist der Feldsperling - bayernweit und auch im Landkreis Neumarkt - nun sogar auf den zweiten Platz vorgerutscht. Der Verwandte des Spatzen findet auf den ausgeräumten Feldern nicht mehr genügend Nahrung und kommt deshalb vermehrt in den Siedlungsraum. Vor sechs Jahren lediglich in jedem fünften Garten zu sehen, wird der Feldsperling jetzt schon in jedem zweiten Garten beobachtet. Derzeit liegt der Star (3.) als Dritter sogar noch knapp vor der Amsel (4.). Auf Rang fünf folgt wie schon im Vorjahr die Kohlmeise. Genau diese Reihenfolge wurde auch aus dem Landkreis Neumarkt gemeldet.

Im Höhenflug befindet sich in diesem Jahr das Rotkehlchen. Zum ersten Mal hat es der fleißige Sänger in die Top Ten der am häufigsten beobachteten Gartenvögel in Bayern geschafft. „In der Hälfte aller Gärten wurde das Rotkehlchen deutliche häufiger gezählt als im Vorjahr. Da gerade die Männchen der Rotkehlchen sehr territorial sind und keine Konkurrenten im Revier zulassen, zeigt uns die erfasste Schwarmgröße von durchschnittlich 1,6 Vögeln pro Garten, dass unsere Teilnehmer sehr genau zählen“, so Martina Gehret. Eine Erklärung für den positiven Trend kann sein, dass der vor allem am Boden jagende Insektenfresser im milden Winter offensichtlich reichlich Nahrung fand und dementsprechend geringe Verluste hatte.

Zu den Besonderheiten in diesem Jahr gehört bisher ein beobachtetes Wiedehopf-Paar bei Absberg in Mittelfranken. Der in Bayern vom Aussterben bedrohte Vogel hat in den letzten Jahren nur ganz vereinzelt und unregelmäßig im Freistaat gebrütet.

Das erste Zwischenergebnis ist noch mit etwas Vorsicht zu interpretieren. Die Stunde der Gartenvögel ist kein Wettrennen zwischen Vogelarten, sondern soll ein möglichst genaues Bild der Vogelwelt im Augenblick aufzeigen. Interessant sind die Entwicklungen der einzelnen Vogelarten über einen längeren Zeitraum und ihre Gesamtentwicklung.

Das sind die ersten Ergebnisse aus dem Landkreis Neumarkt:
  1. Haussperling (Spatz) 91
  2. Feldsperling 65
  3. Star 53
  4. Amsel 52
  5. Kohlmeise 43
  6. Blaumeise 25
  7. Grünfink 25
  8. Elster 23
  9. Buchfink 13
  10. Mauersegler 13
  11. Türkentaube 11
  12. Rotkehlchen 8
  13. Straßentaube 8
  14. Hausrotschwanz 7
  15. Stieglitz 7
  16. Rabenkrähe 5
  17. Mehlschwalbe 5
  18. Gartenrotschwanz 5
  19. Mönchsgrasmücke 4
  20. Mäusebussard 3
  21. Bachstelze 3
  22. Stockente 3
  23. Bluthänfling 2
  24. Grünspecht 2
  25. Kleiber 2
  26. Rauchschwalbe 2
  27. Feldlerche 2
  28. Girlitz 2
  29. Gartengrasmücke 1
  30. Rotmilan 1
  31. Ringeltaube 1
  32. Wanderfalke 1
  33. Sumpfmeise 1
  34. Heckenbraunelle 1
  35. Goldammer 1
  36. Wacholderdrossel 1
  37. Saatkrähe 1
  38. Singdrossel 1
  39. Eichelhäher 1
  40. Gimpel 1
13.05.19
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